Geschichtliches

Jüdische Gemeinde Ermreuth

Die malerische Lage des Orts im Schwabachtal, am Hang des Hetzleser Berg, inmitten eines Kirsch- und Obstanbaugebiets und an der Pforte zur Fränkischen Schweiz verleiht ihm einen besonderen Reiz, der durch das Schloss, die wunderschöne Schlosskirche und die stattliche Synagoge, die das Ortsbild seit jeher prägen, zusätzlich an Anziehungskraft gewinnt.

Seit seiner Gründung, vermutlich schon vor der Zeit Karl des Großen, spätes-tens aber im 11. Jahrhundert, war Ermreuth eine Gutsherrenschaft, und seit der Reformation evangelisch.

Im Zuge der Vertreibungen der Juden aus den Reichsstädten Ende des 15. Jahrhunderts sollen vereinzelte Juden jedoch den Weg in diesen oberfrän-kischen Ort gefunden haben. Über ihre Zahl und ihre Lebensverhältnisse konnten bis heute indes keine Erkenntnisse gewonnen werden.

Da auch Ermreuth während dieser Zeit einen häufigen Herrschaftswechsel erlebte, dürfte die eigentliche Geschichte der Ermreuther Judengemeinde erst infolge der Übernahme des Ortes durch die Freiherrliche Familie von Künsberg (1648/49) im Jahre 1664 begonnen haben. Während sich im Jahre 1665 ein einziger Jude in den Steuerlisten findet, wurden Ende des 17. Jahrhunderts schließlich neun jüdische Familien im Ort ansässig. Ihre Zahl wuchs ständig, so dass 1743 17 Familien registriert waren.

Alle infrastrukturellen Voraussetzungen, die zum Leben einer jüdischen Kultus-gemeinde benötigt werden, lassen sich zu dieser Zeit in Ermreuth nachweisen. 1711 legte man den Friedhof außerhalb der Ortschaft auf dem Heinbühl an und 1738 erbaute man die erste Synagoge. Ende des 18. Jahrhunderts wuchs die Gemeinde schließlich auf 33 Familien an und bedurfte daher eine größere Synagoge. Ihre größte Mitgliederzahl mit über 40 Familien erreichte sie schließlich gegen 1840.

Von 1829 bis Ende 1915 unterhielt die Gemeinde sogar eine eigene Schule, die erst am 1. August 1833 das Prädikat „Die jüdische Religions- und Elemen-tar-Schule“ erhielt. Im Schulgebäude, das gleichzeitig auch eine Schlafstätte für arme Juden beherbergte, befand sich auch das rituelle Tauchbad, Mikwe genannt. Schachthaus und jüdische Metzgereien waren ebenso im Ort vorhan-den. Einen eigenen Rabbiner besaß Ermreuth jedoch nicht. Es war eine von 13 jüdischen Gemeinden in der Umgebung, die zu einem einzigen Landesrabbiner mit Amtssitz in Hagenbach (im heutigen Landkreis Forchheim) gehörten.

Abgesehen von neun Familien, die Bauern waren, verdingten sich die meisten Familienväter als Hausierer oder betrieben Vieh- und Hopfenhandel. Einige hatten eigene Läden für Stoffe und Spezereien, andere wiederum verdienten beispielsweise als Metzgermeister, Seifensieder, Seilmacher, Buchbinder, Schneider, Bäcker, Musiker, Weber, Gerber-meister, Lehrer, Gemeindeschrei-ber und Vorsänger ihren Lebensunterhalt.

Mit dem Gesetz zur Gleichberechtigung im Jahre 1871 vergrößerten sich die Chancen der Juden auf dem Arbeitsmarkt. Sie beteiligten sich gerne und aktiv am Gemeindeleben, waren in den Gemeinderatsausschüssen und im Schulver-band vertreten. Nicht nur grün-deten sie die Freiwillige Feuerwehr mit und waren Mitglieder in deren Vorstand, sondern dienten auch aktiv im Ersten Weltkrieg und manch einer von ihnen wurde mit dem Eisernen Kreuz ausge-zeichnet; einer musste sogar an der Front sein Leben lassen.

Im Zuge des oben genannten Gesetzes entschied sich die Mehrzahl der im Ort ansässigen Juden jedoch für die Abwanderung in die Städte oder die Auswan-derung in die Vereinigten Staaten von Amerika. Aufgrund dessen blieben von den ursprünglich über 40 jüdischen Familien nur noch 20 Personen übrig. Daher wurde die für den Gottesdienst notwendige Zahl von zehn religiös mündigen Männern schon im Jahre 1933 nicht mehr erreicht. Das Ende der Gemeinde war jedoch erst mit dem 9. November 1938 endgültig besiegelt. Von ihrer einstigen Existenz vermögen heute der Friedhof, die restaurierte und wiedergeweihte Synagoge und die in ihr präsentierte Dauerausstellung sowie das Schulgebäude und einige noch erhalten gebliebene Wohnhäuser zu zeugen.

Das sogenannte Wassermann-Haus
Das letzte jüdische Schulhaus
Schwarzhaupt-Haus (rechts) und Synagoge (links)