Geschichtliches

Schwarzhaupt-Haus

Schon seit einigen Jahren taucht dieser Name des Öfteren in den Tageszeitungen und der überörtlichen Presse auf. Viele können wenig damit anfangen, möchten aber vielleicht mehr darüber wissen.

Nachdem sich die jüdische Gemeinde in Ermreuth etabliert hatte und Grundbesitz erwerben durfte, bauten sich Mitte des 18. Jahrhunderts Jacob Joel Levi und Moses Gönninger ein 160 qm Grundfläche messendes Haus aus Holz mit ungleichen Doppelhaushälften. Es handelte sich hierbei um ein bescheidenes Bauernhaus mit den Hausnummern 26a und 26b. 1884 gehörten beide Haushälften der jüdischen Witwe Babetta Rosenberger. Nach deren Tod am 3. August 1899 ging das Haus auf die Nichte Rosa Schwarzhaupt, geborene Wiesenfelder, über und bekam die Hausnummer 26. Heute trägt es den Namen seiner letzten Besitzer „Schwarzhaupt“ und trägt die Hausnummer Wagnergasse 6. Es grenzt unmittelbar an die Synagoge, von dieser lediglich durch den schmalen Saarbach getrennt.

Von der Mitte des 18. Jahrhunderts bis 1939 befand sich dieses Haus somit ununterbrochen im Besitz jüdischer Familien und lässt auf verschiedenen Zimmertüren noch heute die Spuren der Mesusa, des Haussegens, erkennen.

Die im Großen und Ganzen erhalten gebliebene alte fränkische Bauweise des Schwarzhaupt-Hauses sowie dessen ursprüngliche Einrichtung mit Waschküche, Plumpsklo, Flaschenzug und Räucherkammer dokumentieren die Wohnkultur auf dem fränkischen Lande in früheren Zeiten.

In der kleineren Haushälfte richtete die Familie Schwarzhaupt einen Laden für Stoffe und Nähzubehör entsprechend ihres Warenhauses in Forth, Bezirk Mittelfranken, ein. Von der einstigen Ladeneinrichtung blieb der Verkaufstisch erhalten, ebenso noch einiges vom Hausrat.

In der Nacht des 9. November stürmten SS-Soldaten dieses Haus und demolierten es teilweise. Ein namentlich unbekannt gebliebener Ermreuther soll sich den Randalieren in den Weg gestellt und behauptet haben, er habe den Hausrat gekauft. Durch dieses beherzte Einschreiten konnte das Mobiliar der Familie gerettet werden.

Notgedrungener Weise verkaufte die Familie ihr Haus daraufhin zu einem Spottpreis an einen Geschäftsmann aus Nürnberg. Mit dem geringen Kaufpreis und dank der finanziellen Hilfe der Verwandten aus den USA konnten sich Adolf, Alma und Max Schwarzhaupt, und vor ihnen auch die 1923 geborene Tochter Rosa zusammen mit Bernhard Wassermann, noch rechtzeitig - als einzige Ermreuther Juden - am 26. Januar 1939 in die USA retten. Die Reise mit dem wenigen Hausrat ging über den Nürnberger Hauptbahnhof Richtung Frankfurt am Main.

1996 kaufte der Zweckverband Synagoge Ermreuth dieses geschichtsträchtige alte Haus zum Zweck der Errichtung eines Museums für jüdische Geschichte und Kultur im Landkreis Forchheim und in Oberfranken, das raummäßig die Synagoge, die vielfältig genutzt wird, ergänzen und entlasten solle.

Unter Denkmalschutz stehend und somit vor dem Abriss gerettet, steht es seit vielen Jahren leer. Vom Einsturz bedroht wartet es auf seine lang ersehnte Sanierung.

Dieses Gebäude stellt zusammen mit der Synagoge ein einmaliges Ensemble im Gebiet von Oberfranken dar. Diese beiden steinernen Zeugen stehen, neben anderen Häusern, dem Friedhof, dem Schulgebäude und den vielen Fundstücken vom Dachboden der Synagoge, für das erloschene und einst blühende jüdische Gemeindeleben in diesem oberfränkischen Ort.

Schwarzhaupt-Haus (Eingangsfront)
Schwarzhaupt-Haus
Schwarzhaupt-Haus (links) und Synagoge (rechts)