Geschichtliches

Synagoge

Die 1738 am Ortsrand in Fachwerkbauweise erbaute Synagoge war klein und bescheiden. Sie diente bis 1818 als Versammlungsraum beim Gottesdienst und bei Gemeindeangelegenheiten, vermutlich aber auch als Ort des Lernens und der schulischen Ausbildung.

Für die gewachsene jüdische Gemeinde zu klein geworden, musste sie 1819 abgerissen werden und einem neuen Synagogenbau weichen. Trotz großer finanzieller Belastung konnte 1822 der neue zweigeschossige, mit einem Walmdach versehene Synagogenbau aus ockerfarbenen Sandsteinquadern auf einem rechteckigen Grundriss am gleichen Ort errichtet werden. Das im-posante Gotteshaus war eine der größten und bedeutendesten Dorfsynagogen in Oberfranken.

Eine an drei Seiten umlaufende Empore teilt den einfach, aber geschmackvoll ausgemalten und ausgestatteten Innenraum der Synagoge in Männer- und Frauenbereich.

Im Erdgeschoss richtet sich die an allen vier Wänden befestigte Sitzbank in der Männerab-teilung auf die sich in der Mitte des Raumes befindende, mit einem Pult für die Toralesun-gen versehene Bima aus. Fünf Stufen führen zum in der Ostwand eingebauten Thoraschrein hinauf, der von einem ultramarinblauen Himmel mit goldenen Sternen umkränzt und von einem rubinroten, mit goldenen Fäden bestickten Thoravorhang bedeckt wird. Ein von der Decke herunter-hängendes sternartiges, ebenso rubinrotes Ewiges Licht deutet auf die Gegenwart Gottes im Haus hin.

Die schrecklichen Ausschreitungen der Nacht vom 9. November 1938 gingen an dieser Synagoge nicht spurlos vorbei. Aufgrund ihrer Lage inmitten von Wohnhäusern konnte sie weder in Brand gesteckt noch durch Sprengsätze beschädigt werden, der blindwütigen Demolierung hingegen konnte sie nicht entgehen. So wurde ihre innere Ausstattung zer-stört, das bewegliche Gut außerhalb des Ortes verbrannt. Die kostbaren Kultgegenstände sind seither verschwunden. Die Torarollen wurden - so Zeitzeugen - entwendet und im örtlichen Schloss, das jahrelang eine Hochburg der Nazi war, aufbewahrt, ehe sie gänzlich verschwanden.

Während der Kriegsjahre diente die Synagoge den Nazis für kurze Zeit als Lager, anson-sten stand sie leer. Einige Jahre nach dem Krieg wurde sie an die Raiffeisenkasse verkauft und in einen Lagerraum für landwirtschaftliche Produkte, Maschinen, Dünger u.ä. umgewandelt. Alles, was dieser Nutzungs-weise im Wege stand, wurde in der Folgezeit entfernt, wodurch die meisten typischen architektonischen Merkmale eines Synagogenbaus verschwanden. Mitte der 1970er Jahre ging das Haus schließlich in den Besitz des Marktes Neunkirchen am Brand über.

1989 rief der Landkreis Forchheim und der Markt Neunkirchen am Brand ein Zweckverband für die Erhaltung und Renovierung dieses einmaligen und einzigartigen Gebäudes im ländlichen Bereich von Oberfranken ins Leben.

Nach erfolgreicher Sanierung wurde das ehemalige Gotteshaus am 19. Juni 1994 wieder-geweiht und als Haus des Gebets, der Begegnung, der Kultur sowie als Museum für jüdi-sche Geschichte und Kultur in der Region für das Publikum geöffnet.

Synagoge Ermreuth - Ostseite mit Thoranische
Synagoge Ermreuth - vor der Renovierung (Außenansicht)
Synagoge Ermreuth - vor der Renovierung (Innenansicht)
Synagoge Ermreuth - Innenraum mit Bima und Thoraschrein